Spendenaktion - Dürre in Mali

Spendenaktion Mali 2010 - erfolgreich!
Nach einer Spendenaktion anläßlich des Konzertes von TINARIWEN auf dem ZeltMusikFestival am 13. Juli 2010 in Freiburg konnten wir einen Betrag von € 200 an das Komitee der Einwohner von Kidal zur Unterstützung der Menschen in der Region überweisen.

Diese Spendenaktion ist erfolgreich abgeschlossen.

Notlage in Mali 2010:
Hungersnot /Nahrungsmittelkrise in den Regionen Kidal und Ménaka


MaliKarteAfrika

Der Norden Malis ist eine große Wüstenzone, deren Fläche dreimal so groß ist wie der Rest des Staatsgebietes. In den vergangenen Jahrzehnten war diese Region von starken Dürreperioden, insbesondere 1973, 1974 und 1985 betroffen.
Sie verursachten ernsthafte Schäden bei der Bevölkerung der Tuareg und bei ihrem Viehbestand, der die wesentliche Lebensgrundlage darstellt. Die Auswirkungen sind in den Tuaregregionen Mali’s heute noch spürbar.

Heute trifft das harte Schicksal die einheimische Tuareg-Bevölkerung, die in der Wüste lebt, erneut. In den ersten Monaten des Jahres 2010 wurde mir während langen Reisen durch das Land der Tuareg, die mich unter anderem nach Timbuktu, Kidal und in den Bezirk von Ménaka geführt haben, die Dürre und deren Folgen so deutlich, dass es mir die Sprache verschlug:
Seit mehreren Monaten sind die Nomaden und ihre Herden Opfer einer Naturkatastrophe, besonders in den Regionen Kidal und Ménaka.

Schwerwiegender noch ist, dass diese Lage seit einem Jahr vorhersehbar war, denn im Jahr 2009 gab es nur sehr wenig Niederschlag. In mehreren Studien und Untersuchungen wurde die Krise vorausgesehen, aber es sind keine Maßnahmen ergriffen worden, um diese dramatischen Auswirkungen zu vermeiden, weder seitens des Staates, noch durch Nicht-Regierungs-Organisationen, noch von internationalen Institutionen.

Heute ist die Lage in der Region um Kidal sehr bedenklich, denn nur ein kleine Region von 80 qkm um Kidal hat ein wenig Regen abbekommen. Die nomadischen Viehzüchter, die oft von sehr weit her kommen, haben sich alle in diesem kleinen Gebiet eingefunden, um das Überleben der Tiere zu gewährleisten. Aber innerhalb weniger Wochen gab es keine Weiden mehr!

Man muß darauf hinweisen, dass 95% der Bevölkerung der Region Viehzüchter sind, sie sind von ihrem Vieh und vom Wasser abhängig.
Wenn ein Tier nicht gut ernährt ist oder krank wird, betrifft dies direkt die Lebensbedingungen seines Eigentümers, der es weder zu einem annehmbaren Preis verkaufen, noch Milch oder Fleisch nutzen kann, die alleine seine Existenzgrundlage sind. Die Nomaden schulden ihr Leben ihrem Vieh, und beide zusammen leben dank des Wassers und der Weiden: „Ohne Wasser keine Weiden, ohne Weide keine Tiere und ohne Tiere keine Hirten-Nomaden ...’’.
In dieser Region überleben Mensch und Tier nur dank dem wenigen Wasser, das dort vorhanden ist. Es ist das, was in dem Tuareg-Sprichwort in zwei Worten erklärt wird: „Aman Iman’’ – Wasser ist Leben.

Der Mangel an Weiden und Wasser in dieser Hitzeperiode führt zu Konflikten, die durch die Konzentration der nomadischen Bevölkerung um die wasserführenden Brunnen entstehen. Heute sind diese Brunnen fast ausgetrocknet. Zum Beispiel wird in der Region Intebzaz (bei Kidal) an den Brunnen Tag und Nacht Wasser geschöpft.
Da diese Brunnen aber keine großen Mengen an Wasser führen, trocknen sie jeden Tag erneut aus. An einem anderen Standort zeigt sich dasselbe Problem: Amassine (Gemeinde Kidal), das im Allgemeinen eine gut besuchte Wasserstelle ist.

Man stellte fest, dass momentan wegen der übermäßigen Nutzung das Wasser dieser beiden Brunnen verseucht und für Mensch und Vieh schädlich ist; dies führt zu zahlreichen Krankheiten. Inzwischen wurde begonnen, die Tierkadaver in der Region Kidal einzusammeln.

Den Bezirk von Ménaka hat der Wassermangel ganz besonders getroffen. Als Beispiel sei das kleine Dorf Ikadewane genannt, 75 km von Ménaka und 200 km von Kidal entfernt. In dieser kleinen Ortschaft und ihrer Umgebung leben viele Viehzüchter, die alle ihre Tiere an den beiden Brunnen des Dorfes tränken.
Während meiner letzten Untersuchung in Ikadewane erfuhren diese beiden Brunnen eine Nutzung ohnegleichen und trockneten in der Folge zeitweise aus. Danach machte sich eine Verseuchung durch viele Parasiten bemerkbar, was den Gebrauch des Wassers gesundheitsgefährdend macht. Allerdings haben die Einwohner keine andere Wahl als das verseuchte Wasser zu trinken!

Die übergroße Anzahl von Menschen und Tieren, die sich um die Brunnen von Ikadewane sammeln, hat zu Konflikten geführt. Zwischen den einheimischen Nomaden aus der Gegend und denen, die von weit her kommen, ist es bereits zu Konfrontationen mit tödlichem Ausgang gekommen.

Was den Zustand der Weiden betrifft: in der Umgebung von Ménaka gibt es eine kleine Region, Walet Arajom, die eine bisher nie dagewesenen Herdenwanderung und große Bevölkerungsdichte aufweist.
Sie ist eine der wenigen Gegenden, die noch Vegetation für die Tiere und einige Brunnen bietet. Dorthin wandern die Tiere und Menschen aus den Regionen Kidal und Ménaka.
Aber die zu starke Ausbeutung der wenigen Weiden führt schnell zu deren Reduzierung und letztlich zu ihrem Verschwinden. In der Folge kommt es auch hier zu Mangel an Weidegebieten. Ein anderes Beispiel in der Region von Kidal idz Intibzaz: im Süden und Westen ist die Vegetation nur noch mangelhaft, im Norden fast nicht mehr vorhanden.
 
In der Nähe des Weilers Amassi gibt es im Einzugsbereich der Brunnen keine Weiden mehr. Die Weidegebiete werden von Menschen aus zwei Regionen – Kidal und Gao – gebraucht, die auf ein enges Gebiet zusammengedrängt sind.

MaliPferdDuerreDer physische Zustand der Tiere in den Regionen Kidal und Ménaka ist unzulänglich und besorgniserregend. Eine Ausnahme bildet das Vieh, das in gute Weidegründe gebracht wurde, weil die Eigentümer die Möglichkeit haben, es zu tränken ohne es über weite Strecken treiben zu müssen.
 
Not und Verzweiflung sind auf den Gesichtern der Nomaden zu lesen, die in diesen Regionen leben. Das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein ist überall in der Bevölkerung verbreitet. Der Tagesablauf wird bestimmt durch die Frage: Wo kann man Wasser und Nahrung für uns und unsere Tiere finden?

Die Menschen in beiden Regionen sind von zahlreichen Krankheiten betoffen, die nur durch Ärzte festgestellt und behandelt werden können. Die in Ménaka und Kidal lebenden Menschen leiden an Atemwegsinfektionen und Fieber. Am stärksten betroffen sind Frauen und Kinder.
In Ikadewane fordert eine fast unendliche Reihe Frauen und Kinder an den Markttagen die Unterstützung der hier tätigen Helfer. Aber diese Helfer sind weder ausgebildet, den Zustand der Patienten zu diagnostizieren, noch sie zu behandeln und ihre Krankheiten zu heilen. In Kidal und in Ménaka sind besonders schwangere Frauen durch das Fehlen an Medikamenten in dieser schweren Dürreperiode betroffen, die Kinder sind dazu verurteilt zu Fieberkrankheiten, die nicht geheilt werden können.

Die Versorgung mit Futtermitteln für das Vieh und mit Lebensmitteln für die Bevölkerung erreicht in bestimmten Gegenden der Region Kidal nach Aussage der Nomaden oft nicht die betroffenen Menschen; sie werden nicht ausreichend versorgt.
Es ist wichtig festzustellen, dass das Viehfutter und die Säcke mit Hirse, die der Bevölkerung versprochen wurden, aufgrund des Mangels an Transportmitteln nicht dort ankommen, wo die durch die Krise am meisten betroffenen Menschen leben.
Es gibt keine Subventionen für die Beförderung der wenigen Tonnen Nahrungsmittel, die darüber hinaus nicht ausreichend sind. In der Region Ménaka sind einige Tonnen Tiernahrung angekommen, was aber nicht dem Bedarf vor Ort entspricht.
Die Menschen leben von Tag zu Tag in einer Ungewissheit, ob der nächste Tag Besserung bringt.

Der Staat Mali ist seiner Verpflichtung, der Tuareg- Bevölkerung zu Hilfe zu kommen, nicht nachgekommen. Ebenso hat es Mali versäumt, den Verpflichtungen im Rahmen der internationalen Gemeinschaft nachzukommen:
der UN Erklärung der Rechte der Indigenen Völker („UNDRIP“), verschiedenen Dokumenten bezüglich der Rechte von Minderheiten, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO, dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte.

Mali hat sie unterzeichnet und ratifiziert, und ist eigentlich verpflichtet, ihnen nachzukommen.
Das Recht auf Gesundheitsversorgung und Wasser sind grundlegend für das Überleben der Menschen. Sie wurden von der Regierung Malis in der Nahrungsmittel-Krise, die in der malischen Wüste grassiert, nicht respektiert.

Die Lage ist derzeit sehr kritisch. Sie verlangt eine dringliche und schnelle Mobilisierung aller Partner von Kidal und Ménaka sowie der Behörden auf allen Ebenen. Konkrete Maßnahmen sind dringend nötig, um für die einheimische Bevölkerung so schnell wie möglich Hilfe zu bringen um zu retten, was noch vorhanden ist!

Akalin isnine, Arizedjine amout, tumastin tarhine…

Moussa AG ACHARATOUMANE
                      

TINARIWEN und andere Gruppen wie Vieux Farka Toure und die Tuaregfrauen-Gruppe Tartit gaben in Bamako
am 5. Juni 2010 ein großes Benefizkonzert zugunsten der Nomaden.

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