Mongolei - Nomaden und Umweltschutz

Umweltschutz und Menschenrechte Mongolei
 

In diesem Rundbrief erfahren Sie von den aktuellen Ereignissen in der Mongolei.

Am 9.2.2015 sind außerdem 50 Menschen - Nomaden und Bürger aus Ulaanbaatar sowie von der Mongolischen Organisation 'United Movement of Mongolian Rivers and Lakes' zu einer Demonstation gekommen und einige von ihnen anschließend in einen Hungerstreik getreten. Sie liegen auf dem zentralen Platz (heute Chinggis-Khan-Platz) vor dem Parlaments-Gebäude in Ulaanbaatar, auch nachts bei bis zu -30 Grad. Viele Menschen kommen vorbei um sie zu unterstützen und ihnen warme Decken, Honig und heiße Getränke zu bringen - vor allem aber um sich an der Unterschriftenaktion zu beteiligen.

Bis heute, 13.2.2015 sind es 70.000 Unterschriften! gegen den Gold-Abbau der Gatsuurt-Mine und für die Umsetzung des ''Gesetzes mit dem langen Namen''.
Aus der Mongolei wurde uns am 12.2.2015 berichtet: ''Es sind 9 Leute, die zur Zeit am Hungerstreik teilnehmen. Eine ältere Frau , über 60-jährige ist  auch dabei. Sie kommt aus Mandal-sum. Über 60 000 Unterschriften haben sie bereits gesammelt. 5 Abgeordnete haben heute sie besucht und ihre Unterstützung geäußert. Einige Prominente Personen und die in Ulaanbaatar lebenden Koreaner sind gekommen und haben ihre Solidarität gezeigt.

Hintergrund:

Information vom 9. Februar 2015: Hungerstreik vor dem Parlament

Für den 9. Februar haben 50 Umweltschützer vom United Movement of Mongolian Rivers and Lakes (Vereinigte Bewegung zum Schutz mongolischer Flüsse und Seen) einen Hungerstreik vor dem Parlament angekündigt.

Sie reagieren mit dieser Aktion auf die Weigerung des neuen Premierministers der Mongolei, Herrn Saikhanbileg, der auf ihre Bitte vom 23. Januar nach einem Treffen nicht einmal reagiert hat.

Hier der Wortlaut dieses Briefes vom 23. Januar:

Wir, Mitglieder und Unterstützer der Vereinten Bewegung zum Schutze der mongoli- schen Flüsse und Seen aus Ulaanbaatar und 10 Provinzen, haben ein Treffen mit Ihnen vorbereitet, das wir mit Ihrem Büro vereinbaren wollten, leider vergeblich. Deshalb wenden wir uns mit diesem Anliegen an Sie:

Seit der Verabschiedung des Gesetzes mit dem Langen Namen sind nun fünf Jahre, sechs Monate und sieben Tage vergangen.

Seit der Anordnung Nr. 867 des Staatsgerichtshof der Mongolei, in dem die Regierung verurteilt wurde, dieses Gesetz in Kraft zu setzen, sind nunmehr vier Jahre, drei Monate und vier Tage vergangen.

Seit dem erneuten Urteil Nr. 1249 der Richterin Oyuntuya N. sind nun schon zwei Jahre, elf Monate und neun Tage vergangen.
 

Rundbrief Mongolei Feb. 2015

Entscheidungen des Hohen Gerichts sind endgültig und alle anderen Gerichte und darin eingebundene Institutionen sind verpflichtet, diesen Urteilen zu folgen...“.

Alle diese Urteile sind jedoch nicht umgesetzt worden. Stattdessen hat der (damalige) Premierminister Altankhuyag am 10. September 2013 eine Novellierung dieses Gesetztes ins Parlament eingebracht. Diese Aktion muss als krimineller Tatbestand nach Paragraph 258 des Strafgesetzbuchs der Mongolei angesehen werden: Nichtbefolgung gerichtlicher Auflagen.

Angesichts dieser Umstände fordern wir von Ihnen, diesen kriminellen Vorstoß ihres Amtsvorgängers Altankhuyag zu korrigieren und freiwillig von diesem kriminellen Akt kraft Ihres von der Verfassung und Gesetz über die monoglische Regierung verliehenen Gewalt zurückzutreten.

Wir verlangen eine offizielle Antwort innerhalb einer Woche. Bleibt sie aus werden wir die nächste Stufe in unserem Kampf ergreifen.

Geschrieben und unterzeichnet von:

  • D. Ganbold, Vorsitzender des United Movement of Mongolian Rivers and Lakes

  • Ya. Tserenkhand, Geschäftsführerin des United Movement of Mongolian Rivers and

    Lakes

  • D. Dungarmaa, Viehhalter aus Bag 1, BayanUndor, Bayanhongor Aimag

  • T. Sergelen Viehhalter aus Bag 3, BayanUndor, Bayanhongor Aimag

  • A. Ariunaa, Viehhalter aus Gurvantes, Südgobi Aimag

  • B. Dashtsoodol ,Viehhalter aus Bag 5, Gurvanbulag, Bayanhongor Aimag

    Unterstützt von:

  • D. Sosorbaram, Staatspreisträger Schauspiel

  • G. Jamyan, Staatspreisträger Journalismus

  • G. Ravdan, Staatspreisträger Schauspiel

  • R. Narangerel, Direktor des Bürger-Erziehungs-Zentrums

  • D. Shagdarsure, Staatspreisträger und Vorsitzender der NGO „Peaceful world“

    Zur Erinnerung: Der Protest vom September 2013 gegen die Novellierung des Gesetzes durch Ts. Munkhbayar brachte ihm und fünf weiteren Aktivisten eine mehrjährige Gefäng- nisstrafe ein. Wir berichteten. 

Original von der United Movement of Mongolian Rivers and Lakes- 23.1.2015:

Dear friends and supporters of the United Movement of Mongolian Rivers and Lakes,
 
We would like to give you further update on what is going on with our struggle for keeping the law on  Prohibiting Mineral Exploration and Extraction Near Water Sources, Protected Areas and Forests intact while the government of Mongolia is trying to change it to suit interests of the mining community.
 
Prime minister Saikhanbileg didn't respond to our demands delivered to him as of January 23d and keeps ignoring our requests to meet with him. That is why a group of 50 people are starting official hunger strike at 11 am on February 9th, 2015 on the central square in Ulaanbaatar city in front of the Parliament building.
 
Please share this news within your network and help us by writing to the government of Mongolia and any parliament member or president to recognize our demands and take action.
 
Please find below a coli of the demand letter to the prime minister Saikhanbileg.
 
We hope for and need your support.
 
Tserenkhand Ya.
Coordinator of United Movement of Mongolian Rivers and Lakes
 
 
LETTER OF DEMAND TO PRIME MINISTER SAIKHANBILEG CH. 
 
January 23, 2015
Ulaanbaatar city
 
We, members and supporters of the United Movement of Mongolian Rivers and Lakes representing the city of Ulaanbaatar and 10 provinces have gathered together in anticipation of a meeting with you agreed upon with your office but in vain. That is why we are forwarding you following demands:
 
Since the adoption of the law on  Prohibiting Mineral Exploration and Extraction Near Water Sources, Protected Areas and Forests already 5  years, 6 months and 7 days have passed.
 
Since the ruling no. 867 by the State Higher Civil Court of Mongolia ordering the government to implement the Law on Prohibiting Mineral Exploration and Extraction Near Water Sources, Protected Areas and Forests already 4 years, 3 month and 4 days have passed.
 
Since the decision no. 1249 of judge Oyuntuya N. from Court Decision Implementation agency already 2 years, 11 months and 9 days have passed.
 
Under article 14.1 of the Constitution of Mongolia it is written: "...all residents of Mongolia are equal under the laws of Mongolia...". Also under the article 50.2 "...decision of the higher court is final and all other courts and involved institutions are obligated to follow it..." 
 
However all of above mentioned rulings have not been implemented, moreover Prime Minister Altankhuyag on September 10, 2013 proposed amendments to the law onProhibiting Mineral Exploration and Extraction Near Water Sources, Protected Areas and Forests to the parliament. This action qualifies as a criminal offense under article 258 of the Criminal law of Mongolia: not following the higher court ruling. 
 
In light of above circumstances we demand of you to correct criminal offense by former prime minister Altankhuyag and by the power vested in you by the Constitution and law on Mongolian government to voluntarily refrain from committing a crime!
 
We demand an official response within a week from now and if there will be no action taken we will resorting to the next level of action in our struggle. 
 
Demands are written and signed by:
 
Chairman of United Movement of Mongolian Rivers and Lakes D. Ganbold
Coordinator of United Movement of Mongolian Rivers and Lakes Ya. Tserenkhand
Herder from Unit 1, BayanUndor sum, Bayanhongor aimag D. Dungarmaa
Herder from Unit 3, BayanUndor sum, Bayanhongor aimag T. Sergelen
Herder from Gurvantes sum, Umnogobi province A. Ariunaa
Herder from Unit 5, Gurvanbulag sum, Bayanhongor province B. Dashtsoodol
 
Demands are supported by:
 
Winner of the state award for the best actor D. Sosorbaram 
Winner of the state award, journalist G. Jamyan
Winner of the state award for the best actor G. Ravdan 
 Director of the citizens educational center R. Narangerel

 Winner of the state award, chair person of the "Peaceful world" non-governmental organization D. Shagdarsure

Quelle: www.munx-tenger.de

und die NGO Golomt Mongolia

 

Mongolei - Indigene Völker, Umwelt, Menschenrechte

Mehrere Reisen in die Mongolei eines unseres Mitglieds und die jahrelange Unterstützung des Künstlers Michail Grey Wolf Guruev für sein ausbildendes Kulturzentrum für Kunsthandwerk, Kunst und Kultur indigener Völker Sibiriens haben uns dazu veranlasst, eine Arbeitsgruppe Sibirien und Mongolei zu bilden.

Inhalt unserer Arbeit sind derzeit vor allem Umwelt- und Naturschutz in der Mongolei, Abbau von Bodenschätzen und vor allem Abbau von Uran.
Der Schutz einer intakten und natürlichen Umwelt ist für die Nomaden der Mongolei die Grundlage ihres Lebens.

Die Mongolei hat ca 3 Mio Einwohner. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ulaanbaatar und ein geringerer Teil der Bevölkerung in den Provinzstädten der Mongolei.
Ungefähr 1 1/2 bis 2 Drittel der mongolischen Bevölkerung lebt auf dem Land als Nomaden/Viehzüchter.
Ihre Lebensgrundlage sind das Vieh - ihre meist gemischten Herden mit Schafen, Ziegen und Pferden, Yaks oder Kamelen - je nach Region.

Durch den Abbau von Bodenschätzen an dem einige der weltweit größten Firmen beteiligt sind (aus Kanada, Frankreich, Australien aber auch aus Russland und den USA) wird nicht nur der Lebensraum der Nomaden und ihrer Viehherden immer mehr eingeschränkt sondern auch die Flüsse in dem ökologisch äußerst sensiblen Hochland trocknen teilweise aus.

Die Mongolei liegt im Durchschnitt auf ca 1300 m Höhe (Ulaanbaatar, die Hauptstadt z.B. liegt in 1300 m Höhe) und das Klima ist kontinental und trocken. Niederschläge sind nicht häufig und durch unterschiedliche Umstände wie heftige Dürren und sehr strenge Winter in den letzten Jahrzehnten breitete sich die Wüste immer mehr aus. Eines der größten Gebiete der Mongolei ist heute schon durch die Gobi beherrscht. Ihre Ausläufer reichen bis in den Nordwesten der Mongolei. Die fruchtbaren Hoch-Ebenen sind für die Nomaden wichtiges Weideland ihrer Herden. Dies hat Jahrtausende funktioniert denn die Nomaden wissen, was sie dem Boden zumuten können. Sie wissen, wieviele Tiere und auch welche Tiere die Weiden nutzen können und wie oft sie umziehen müssen, damit sich die Weiden immer wieder regenerieren können. Wird nun der Raum für die Nomaden immer kleiner ist das Umziehen innerhalb großer Areale nicht mehr gewährleistet.

Der Goldabbau hat der Mongolei in den letzten Jahrzehnten heftig zugesetzt. Nachdem der Goldpreis bis in die 90er Jahre relativ niedrig war schoss er wieder in die Höhe und die alten Goldminen der Mongolei, wo in relativ geringem Maße abgebaut wurde, wurden wieder eröffnet (meist durch ausländische Investoren und Bergbaufirmen wie Rio Tinto Zinc und andere) und wurden massiv erweitert.
Nicht nur, dass das Land ausgebeutet wird und der größte Teil des Gewinns außer Landes geht und nicht der Mongolei und seiner Bevölkerung zu Gute kommt (was allerdings in den letzten Jahren durch gesetzliche Regelungen ein wenig verbessert werden konnte), auch der Boden wird in weiten Arealen ausgelaugt. Der Bergbau verbraucht Unmengen an Wasser - der Grundwasserspiegel sank daher dramatisch, auch große Flüsse - Hauptwasseradern des Landes - versiegten teilweise und der berühmte Wasserfall des Orkhon verschwindet im Sommer während der Trockenzeiten.
Zum Abbau von Bodenschätzen werden oft Gifte verwendet um die Substanz aus dem Stein zu lösen: zum Goldabbau z.B. Zyanid. Diese Substanzen gelangen in den Boden, ins Grundwasser und in die Flüsse. In den Flüssen wird dadurch Fischsterben ausgelöst. Böden werden verseucht, das Trinkwasser für Mensch und Vieh wird verseucht. So erkrankten in der Nähe einer Goldmine viele Menschen an einem sehr starken Hautausschlag, der nicht mehr heilte.

Die Bevölkerung wird weder gefragt noch in die Planungen der Abbaugebiete mit einbezogen. Die Aufklärung der Bevölkerung über die Auswirkungen des Bergbaus sowohl auf die Gesundheit von Mensch und Tier als auch auf die Umwelt erfolgt nicht bzw. bei weitem nicht ausreichend.
Das sind Übertretungen von Menschenrechten.
WasserholenKhatgalAxel

Unsere Arbeit richtet sich momentan vor allem gegen den Uranabbau und Umweltzerstörung in der Mongolei.

Eines unserer Arbeitsgebiete bildet die Unterstützung der Menschen in Khatgal (Khuvsgul Aimag, gelegen im Khuvsgul Nationalpark am Khuvsgul-See), dort wo Grey Wolf Guruev, der Initiator des ausbildenden Kulturzentrums seit 2006 ansässig war. Hilfe und Unterstützung aus der Hauptstadt gelangt selten hierher. Die Menschen müssen sich selbst helfen und mit Erfindergeist und Eigeninitiative ihr Leben sichern. Für Nomaden ist das selbstverständlich. Aber die Menschen im Dorf Khatgal sind sesshaft, viele hatten früher ihr Auskommen in gesicherten Arbeitsplätzen in Verwaltung und landwirtschaftlichenKolchosen sowie in kleinen Fabriken, dies ist aber schon lange nicht mehr der Fall. Sogar die Leiterin der Erdbebenstation Khatgal wartet im Winter 2015 wieder mal vergeblich auf ihr Gehalt!
Eine Familie hat die Initiative ergriffen und bäckt Brot, doch bald kam Konkurrenz aus der Nachbarschaft. Im Herbst werden Beeren und Zirbelnüsse gesammelt - und Konfitüre gekocht. Leute aus der Stadt kaufen sehr gern diese Naturprodukte - jedoch liegt Khatgal sehr weit weg von Ulaanbaatar.

Unsere Winterhilfe, die wir als Spendenaktion gestalten, hat erfolgreich dazu beigetragen, dass die ärmsten Familien und ihr Vieh die stengen Winter überleben, hat Brennholz und Mehl bereitgestellt - das war in den Wintern 2010/2011 und 2011/2012 der Fall - Danke für die Spenden!! sagen wir im Namen der Familien, die wir damit direkt unterstützt haben.

Die letzten beiden Winter 2013/2014 und 2014/2015 waren vergleichsweise mild und die Menschen helfen sich selbst.

Foto: Axel Stoeckert-Stüve

 

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